Es begann nicht mit einem Wort. Auch nicht mit einem Gedanken. Sondern mit einem Spüren, das in Embla aufstieg wie ein fernes Echo aus einer Welt, die sie nicht benennen konnte.
Seit sie denken konnte, war da etwas in ihr, das sich jeder Sprache entzog. Ein leises Ziehen, kaum mehr als ein Hauch unter ihrer Haut, als würde etwas in ihr aufwachen, das schon lange geschlafen hatte. Manchmal vibrierte es im Wind, manchmal im Holz eines Baumes, manchmal im Schweigen zwischen zwei Atemzügen.
Embla wusste nicht, was es war. Nur, dass es zu ihr gehörte. Und dass es mit jedem Tag stärker wurde.
Mit jedem Morgen, an dem sie die Augen öffnete, wuchs sie ein Stück weiter hinein in das, was ihr vorbestimmt war — ohne zu wissen, wohin es sie führen würde. Es fühlte sich nicht an wie ein Weg, den man sucht. Eher wie ein Lied, das man erkennt, weil es schon immer in einem geschlummert hat.
Kapitel 1: Das Flüstern der alten Bäume
Chapter 1: The Whisper of the Ancient Trees
Kapitel 1: Das Flüstern der alten Bäume
Wenn der Wind durch die alten Bäume rauschte, war da immer etwas Magisches. Nicht jeder konnte es hören – nur jene, die noch träumen konnten, mit offenen Augen und einem Herzen, das Fragen stellte. Embla war eines dieser Kinder. Sie liebte es, unter den knorrigen Ästen zu sitzen, die Geschichten zu erzählen schienen, älter als jedes Buch.
Die Rinde sprach in Mustern, die nur sie verstand, und manchmal glaubte sie, die Wurzeln würden ihr antworten. „Manche Geschichten beginnen nicht mit einem Wort – sondern mit einem Lauschen.“ Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die man erst begreifen lernen muss.“
Die anderen Kinder spielten Fangen und lachten laut in der Nachbarschaft. Embla saß lieber unter der Ulme und hörte dem Wind zu, wie er durch die Blätter rauschte. Manchmal klang es wie ein Lied, das niemand je gesungen hatte. Manchmal wie ein Flüstern, das sich in ihren Gedanken verlor, bevor sie es greifen konnte.
„Du bist anders“, hatte ihre Großmutter einmal gesagt, „weil du noch zuhörst.“
Chapter 1: The Whisper of the Ancient Trees
When the wind rustled through the old trees, there was always something magical. Not everyone could hear it – only those who still knew how to dream, with open eyes and a heart that asked questions. Embla was one of those children. She loved sitting beneath the gnarled branches, which seemed to tell stories older than any book.
The bark spoke in patterns only she could understand, and sometimes she believed the roots answered her. „Some stories don’t begin with a word – but with a listening.“ There are things between heaven and earth that one must first learn to understand.
The other children played tag, laughing loudly in the neighborhood. Embla preferred sitting beneath the elm, listening to the wind as it rustled through the leaves. Sometimes it sounded like a song no one had ever sung. Sometimes like a whisper that slipped into her thoughts before she could grasp it.
“You’re different,” her grandmother once said, “because you still listen.”
